Ferien mal ganz anders: die Herbstakademie „Das Saarland denkt global“ in Spohns Haus

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In der ersten Woche der Herbstferien 2018 hatten vier Schülerinnen und Schüler der Klasse 7.2 der Gemeinschaftsschule Quierschied die wunderbare Gelegenheit, an einer Herbstakademie im ökologischen Schullandheim Spohns Haus in Gersheim teilzunehmen.

Von dem spannenden Thema der Herbstakademie „Das Saarland denkt global“ fühlten sich insgesamt 22 Schülerinnen und Schüler aus verschiedenen weiterführenden Schulen des Saarlandes angezogen.

Organisiert wurde diese Ferienwoche der besonderen Art von dem Netzwerk Entwicklungspolitik im Saarland (NES) e.V. unter der Leitung von Melanie Malter-Gnanou und Jean-Philippe Baum, die beide auch zusammen mit drei weiteren BetreuerInnen diese überaus lehrreiche Woche mit den Jugendlichen im malerisch gelegenen Spohns Haus verbrachten.

Als Paula Loew, Lena Katharina Michel, Benjamin Klas und Marco Schario von der Herbstakademie erfuhren, waren sie gleich Feuer und Flamme und wurden von ihren Eltern auch sofort unterstützt, sodass der Teilnahme an diesem spannenden Projekt nichts mehr im Wege stand. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle an die engagierten Eltern der Klasse 7.2!


Bereits die Hinfahrt am Montag, dem 01.10.2018 entsprach dem ökologischen Anspruch der Herbstakademie, denn die Jugendlichen fuhren in Begleitung ihrer Betreuerinnen und Betreuer mit öffentlichen Verkehrsmitteln, also mit Bus und Saarbahn nach Gersheim.

Als unsere Schülerinnen und Schüler in Spohns Haus angekommen waren, rief Paula aus: „Ich glaub` ich träume!“, so beeindruckt war sie von den schönen alten und ökologisch renovierten Gebäuden des Schullandheims. Beim Beziehen der coolen, mit Naturprodukten behandelten Holzetagenbetten wussten alle sofort, dass sie in ihren Zimmern viel Spaß haben würden. Nach einer Kennenlernrunde ging es dann auch gleich an die Arbeit.


Im ersten Workshop beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Thema Konsum.

Lena: „Wir notierten auf Plakaten, was wir alles im Leben so brauchen und was wir gerne alles so haben wollen“. Bei genauerer Betrachtung wurde den Jugendlichen mehr und mehr bewusst, dass sie vieles von dem, was sie besitzen, gar nicht wirklich brauchen und dass es ihnen am Ende gar nicht gut tut, immer noch mehr Konsumgüter haben zu wollen. Marco: „Ja, sonst wird man noch abhängig...“ und er zeigte dabei schmunzelnd aufs Handy. „Wir benutzen jedenfalls seit der Herbstakademie unsere Handys deutlich weniger!“ meinten Paula und Lena stolz und strahlten dabei eine große Zufriedenheit aus.

Auch andere Probleme der modernen Konsumgesellschaft wurden den Schülerinnen und Schülern nahegebracht. Die Erkenntnis, dass beispielsweise die Markenkleidung, die viele Menschen in den reichen Industrieländern tragen, meistens durch Kinderarbeit in armen Ländern produziert wird, machte unsere Schülerinnen und Schüler sehr betroffen.

Am Nachmittag veranschaulichte die Bildungsreferentin Frau von Osterhausen den Jugendlichen die Prinzipien des Fairen Handels. „Normalerweise verdienen Plantagenarbeiter in armen afrikanischen Ländern im Durchschnitt nur 1 Cent pro Tag!“ empörte sich Benjamin. Marco: „Wenn wir Fair Trade-Produkte kaufen, helfen wir, die Ausbeutung von Erwachsenen und Kindern in den armen Ländern unserer Erde zu verringern!“ Paula: „ Deshalb achtet meine Familie schon länger darauf, Lebensmittel und Kleidung aus Fairem Handel zu kaufen. Man fühlt sich einfach besser, wenn man weiß, dass man Anderen dadurch helfen kann, ein menschenwürdiges Leben zu führen.“

Mit diesem guten Gefühl im Herzen konnten sich die Jugendlichen dann abends in einer von den Betreuern organisierten Disco so richtig toll amüsieren.


Im zweiten Workshop ging es um den Kreislauf des Wassers. Den Schülerinnen und Schülern wurde ein Gespür für die Kostbarkeit des Wassers vermittelt und die enorme Wasserverschwendung in den modernen Industriestaaten verdeutlicht. Die Jugendlichen füllten Brunnenwasser in Kanister und schleppten sie zum Garten von Spohns Haus, um dort das Gemüse und die Blumen zu gießen. „Haben wir ein Glück, dass wir in Deutschland nur den Wasserhahn aufdrehen müssen, um frisches Wasser zu trinken!“ freute sich Marco. „Unser Leitungswasser hat eine gute Trinkqualität! Wenn wir dennoch Wasser kaufen wollen, dann unbedingt in Glasflaschen“ erklärte Benjamin. „Wir dürfen unseren Planeten nicht mehr länger mit dem Plastikmüll belasten“ fügte Marco hinzu. „Ja, und die armen Fische im Meer müssen sterben, weil sie Plastikteile fressen!“ beklagte sich Lena.

Damit die Stimmung nicht zu traurig wurde, machten die Jugendlichen am Nachmittag eine lange Wanderung in der herrlichen Umgebung von Spohns Haus. Abends konnten sich die Schülerinnen und Schüler dann am Lagerfeuer entspannen. Eine faszinierende Feuershow mit Fackeln schloss diesen ereignisreichen Tag ab und die Jugendlichen fielen müde und zufrieden ins Bett.


Im dritten Workshop zum Thema Ernährung unterhielten sich die Schülerinnen und Schüler in Gruppen über ihre Lieblingsspeisen und machten sich Gedanken darüber, welche Lebensmittel gesund sind und welche weniger. Paula: „Mein Vater ist Koch und er achtet sehr darauf, regionale Bioprodukte zu verwenden. Dank des Workshops Ernährung verstehe ich jetzt noch besser, warum ihm das so wichtig ist!“ „Klar!“ ergänzt Marco, „Bioprodukte enthalten keine krebserregenden Pestizide! Und wenn sie aus der Region sind, werden sie nicht stunden- oder tagelang `rumtransportiert und sind noch schön frisch!“

Am Nachmittag stellten die Schülerinnen und Schüler zusammen mit Frau von Osterhausen schöne Pflanzenseife aus afrikanischer Karitébutter her. Danach durften sie ihre fein duftenden Seifenunikate sogar mit ihren Namen bedrucken.

Am Abend schockierte ein Film über Fleischkonsum und brutale Massentierhaltung unsere Schülerinnen und Schüler derart, dass Lena und Paula sich beispielsweise entschieden haben, sich in Zukunft weitestgehend vegetarisch zu ernähren. Paula: „Und wenn, dann nur Biofleisch aus artgerechter Tierhaltung!“

Spätestens nach diesem Film hatten alle Schülerinnen und Schüler auch ganz klar, warum es während der Herbstakademie einen rein vegetarischen Speiseplan mit Obst, Gemüse und Käse aus der Region gab. Die Jugendlichen schwärmten von dem leckeren Honig aus eigener Erzeugung des Hauses und von der Nussnugatcreme ohne Palmöl. So erwies sich auch das Frühstück als sehr lehrreich, denn unsere Schülerinnen und Schüler berichteten bestürzt, dass Orang Utans sterben müssen, weil in den Tropen so viele Palmen gefällt werden.


Während des Gesprächs mit Paula, Lena, Marco und Benjamin wurde mehr und mehr deutlich, wie sich die ganzheitliche Lebensweise in Spohns Haus durch alle Lebensbereiche zog.

Ein Blick auf die Art der Müllentsorgung in Spohns Haus rundete den globalen Themenkreis der Herbstakademie ab. Lena: „In Spohns Haus stehen vor jedem Zimmer getrennte Behälter für Papier, Plastik, Bio- und Restmüll!“ Und Paula ergänzte stolz: „Genauso, wie wir zu Hause auch den Müll trennen.“

Während der Herbstakademie durften die Schülerinnen und Schüler ihre Handys nur ganz selten mal in kleinen Pausen benutzen und abends wurden die Handys eingesammelt.

Lena: „Wir sind hier alle richtig gute Freunde geworden“ und Paula fügte lachend hinzu: „Deshalb haben wir unsere Handys auch überhaupt nicht vermisst!“

Die Jugendlichen aus den verschiedenen saarländischen Schulen waren im Laufe ihrer gemeinsamen Ferienwoche zu einer richtig guten Gemeinschaft zusammengewachsen und so fiel ihnen der Abschied am Freitag, dem 05.10.2018 nicht leicht.


Übrigens war der gesamte Aufenthalt für die Schülerinnen und Schüler kostenlos! Vielen herzlichen Dank an alle Organisatoren!

Hört man den Schülerinnen und Schülern zu, so spürt man, dass die Herbstakademie vieles bei ihnen in Bewegung gebracht hat. Sie sind richtige Experten für eine bessere Welt geworden und haben nicht nur gelernt, global zu denken, sondern auch global zu fühlen und zu handeln. Wir sind sehr froh darüber, dass unsere Kinder diese ganzheitliche Erfahrung in Spohns Haus machen konnten und eine solch lehrreiche und spannende Ferienwoche mit dem freundlichen Begleiterteam vom NES erleben durften! Vielen herzlichen Dank dafür!

Ein ganz besonderer Dank gilt aber vor allem unseren Schülerinnen und Schülern, die sich in ihren Herbstferien auf so produktive und empathische Weise bei der Herbstakademie in Spohns Haus engagiert haben!